Eingesperrt im Goldenen Käfig.
Wenn Raben, laut wissenschaftlichen Untersuchungen Vögel mit großer Intelligenz, für längere Zeit in „Goldene Käfige“ (in diesem Fall in der Innsbrucker Meinhardstraße) eingesperrt werden, dürften sie dieser Intelligenz ebenso verlustig werden wir ihrem Erinnerungsvermögen und einem Mindestmaß an Weitblick. Das ist umso mehr schade, als in dieser Meinhardstraße, dem Sitz der Tiroler Wirtschaftskammer, Intelligenz und Weitblick dringend notwendig sind, um die Tiroler Wirtschaftsbetriebe mittel- und langfristig samt den Arbeitsplätzen in eine positive Zukunft in einem sehr schwierigen europäischen und globalen Umfeld zu führen. So hat dieser Rabe tatsächlich vergessen, dass er selbst noch am 19.11.2003 als Mitglied des Tiroler Landtages das von ihm nun ins Lächerliche gezogene Lkw-Fahrverbot für Müll, Steine, Aushub etc. beschlossen hat (nun plötzlich dringende, leicht verderbliche Güter, die nur und ausschließlich auf der Straße über den Brenner hin- und hergekarrt werden müssen?). Vergesslichkeit ist nicht nur auf Wien (Waldheim) beschränkt.
Wenn ich über der Alpenkonventionsstrecke rund um den Brenner meine weiten Kreise ziehe, sehe ich Laster an Laster. Statt einer Million, wie sie einmal vereinbart wurde, sind es schon zwei Millionen. Sie fahren unsere Betriebe nicht an; sie bleiben nur kurz stehen um ihren Diesel-Durst zu löschen, damit in Wien die Kassen des Finanzministers klingeln. Ein paar dieser Euros kommen nun zurück, damit man die Kreisverkehre an den Ausfahrten der A 12 betonieren kann (die asphaltierten halten den täglichen Irrsinn nicht aus). „Umwegrentabilität“ und „großen Erfolg“ wird das der Steixner Toni wohl nennen.
Schlau war er ja noch nie, der Rabe in der WIKA. Einfach ist er halt: Haben wir ein Verkehrsproblem? Dann bauen wir – auch wenn Grund und Boden für Mensch und Wirtschaft immer knapper und teurer werden. Immer mehr LKW („saubere“ natürlich, die es noch nie gegeben hat!) sollen unser Land durchrasen. Mit Müll, Schrott und sonstigem Plunder. Die, die neben dieser Raserstrecke wohnen, zahlen mit ihrer Gesundheit drauf. Müssen ja nicht dableiben, oder? Und die, die neben dieser Raserstrecke ihre Betriebe haben, müssen gefälligst mit immer teureren Auflagen endlich die Luft verbessern, die die „sauberen Müll- und Schrottlaster“ täglich verpesten. Müssen ja auch nicht dableiben, können schließlich ihre Produktionen auslagern oder outsourcen. Dazu haben sie ja den „Freien Markt“ geschaffen. Damit immer weniger halbwegs gut bezahlte BugglerInnen und UnternehmerInnen immer mehr schlecht bezahlte BugglerInnen und UnternehmerInnen unterstützen. Tausche gut bezahlten Produktionsarbeitsplatz gegen schlecht bezahlten Handelsjob mag eine WIKA-Zukunftperspektive sein, Tirol schadet sie.
Wenn ich meine weiten Kreise über den Brenner ziehe, dann denke ich mir: Zu fordern, dass nur mehr „saubere LKW“ fahren dürfen, heißt, dass zuerst den Tiroler Nahversorgern, die ihre Fahrzeuge nicht alle 2-3 Jahre austauschen (wie die Transit-Lkw mit ihrer 10-fach höheren Kilometerleistung) das Fahren verboten wird. Eine Forderung, die nicht einmal die aufgestellt haben, die seit vielen Jahren „das Recht auf Gesundheit“ im Tiroler Zentralraum einfordern. Und die auch das einfordern, was die Mitgliedstaaten nach wie vor schuldig sind: die mengenmäßige Begrenzung der Transit-Lkw und die N0x-Reduktion um – 60 %. Es scheint, als wäre der Rabe aus einem Kuckucksei geschlüpft, welches ein Mülltransitler auf der Durchreise von Neapel nach Bremerhaven verloren hat.
Geht’s dem Mülltransit schlecht, geht’s Land, Bevölkerung und Wirtschaft gut.
Mit dem Kopf durch die Wand
Wenn Raben mit dem Kopf durch die Wand zu fliegen versuchen, holen sie sich einen veritablen Dachschaden. Bei Politikern passiert dasselbe. Dass die (böse, böse!) EU der Tiroler Landesregierung nun eine Kopfnuss verpasst hat, wundert mich nicht. Ich habe die Geschichte mit dem Sektoralen Fahrverbot nie verstanden. Denn was da eure Landespolitik versucht hat, lief ungefähr nach folgendem Muster. Problem: Zu viele LKW. Ziel: Weniger LKW. Lösung: Wir verbieten einigen einfach die Durchfahrt. Vielleicht allen rot lackierten? Oder den grünen? Oder den gelben? Oder denen, die Schotter, Gurken oder Himbeermarmelade transportieren? Ja, so machen wir es! Kommunikation: Wir treten als Helden vor die Tiroler, sagen, die EU kann uns mal und drücken diese Lösung durch.
Gut, ihr Helden: Die EU hat geantwortet. Und euer Verbot nach der Andreas-Hofer-Farbtheorie durch Sonne, Mond und Sterne gejagt. Ob man LKW nach ihrer Farbe beurteilt oder nach dem, was sie auf ihrer Ladefläche mit sich führen – es ist beides Schwachsinn. Denn es kommt nur auf das an, was hinten beim Auspuff rauskommt. Und das richtet sich ganz sicher nicht danach, wie der LKW aussieht oder was er geladen hat, sondern danach, ob ein moderner Motor drin ist oder nicht. Basta.
Mich beruhigt, dass nicht nur ich als bescheidener kleiner Rabe zu dieser Erkenntnis gelangt bin, sondern auch die Damen und Herren von der EU. Nein, die sind nicht böse, die denken nur gerade. Die einzige Lösung kann nur lauten: Nach ein wenig Schonzeit runter von der Straße für stinkende LKW, freie Fahrt für saubere LKW. Ist das wirklich so schwer zu begreifen?
Es kann doch nicht euer Ernst sein, immer knapp vor den Wahlen (wie schon 2003) mit Schwung mit dem Tiroler Sturschädel gegen die europäische Wand zu laufen, bloß um den Helden zu spielen. Oder doch? Meint euer Rabe.
Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut.
Abgedruckt in der Tiroler Tageszeitung Nr. 32 vom 7. Februar 2008
www.transitforum.at
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