Herzlich willkommen im Land der Länder: Deutschland
Gedankenschwerer Kultur- und Kopfmensch, der Tonnen von Tradition und Geschichte als Ballast mit sich herumschleppt – ehrlich, fleißig, treu und aufopfernd bis zum Abwinken? Oder geltungsbedürftiger Profilneurotiker mit ekelhaftem Drang zu Expansion, rassistischer, national denkender Sauerkrautfresser mit perfidem Hang zu Uniformen, Untertan und Bier saufender Befehlsempfänger irgendwo dazwischen osziliert das gängige “Deutschenbild” der Rest-Europäer.
Zeit, das überkommende Zerrbild dieses Volkes zu korrigieren! Jungs und Mädels wenn ihr Probleme mit zusammenhängenden Sätzen habt, greift euch lieber die Bildzeitung oder nen Comic, denn es wird haarig! Alle Anderen: herzlich willkommen im Land der Länder: Deutschland
Die Zeiten in denen ein bellender Schnauzbartträger und sein in mehrfacher Hinsicht behindertes Sprachrohr Josef via „Volksempfänger” dem Rest des Volkes hirnrissige Durchhalteparolen eintrichterte sind längst Geschichte. Der Deutsche im Informationszeitalter ist multimedial und aufgeklärt.
Laut Statistik verbringt er 82% seiner Freizeit vor der Glotze, 68% hören während der Arbeit Radio, in 91% der Haushalte steht ein Videorecorder, in fast 100% der Wohnungen ein HiFi Teil mit Empfänger.
Was zur Hölle findet er so unterhaltsam am Fernsehen? In den 60ern war das noch originell: Lustig, diese ältliche Herrenriege früh verfetteter Toupetträger, die damals antrat um ihre Landsleute nach US-Vorbild zu unterhalten, zu belehren und zu informieren. Da gabs Ansagerinnen mit Betonfrisuren, die eine Vorfreude ausstrahlten, so ansteckend wie Karies. Nachrichten verfasst im Stil von Mobilmachungen, vorgetragen von Herren mit dem Charme eines Feuermelders. Politische Kommentare, ausgewogener als jeder Besinnungsaufsatz eines Untersekundaners.
Bei den sogenannten „Familiensendungen” nahm das sogenannte „QUIZ” (US-mäßig: Q-Show) einen allerersten Platz ein. Quiz – so nannte man es damals, wenn jemand einem Anderen eine Frage stellte, deren Antwort er bereits wusste, weil ein Anderer sie ihm vorher auf einen Zettel geschrieben hatte – GEIL!
Natürlich gab es auch andere Sendeformen. Da waren Möchtegern Exoten wie Rex, Roy, Bill, Ronny etc…, richtige Neger wie Ron und Roberto , da gab es Skandinavierinnen gleich schockweise: Von Lil bis Babs von Vivi bis Bibi, nicht zu vergessen Dörthe, Wencke, Gitte…und so weiter, allesamt blond wie Semmeln und aufregend wie Knäckebrot. Es gab Volkstheater mit eingehochdeutschten Pseudodialekten, einer Hilfsschuldramaturgie, pointenreicher als so manches Telefonbuch und einer Komik zwischen umwerfend und niederschmetternd. Sportreporter die vor Begeisterung sekundenlang die Enden ihrer eigenen Übergangssätze suchten… Familienserien… Die Hitparade. … Ach, lassen wir das.
Und Heute? Was hat die radikale Erneuerungsbereitschaft des Mediums uns hinterlassen?
Unmengen von Sendern die Unmengen von Schrott gerecht auf die Endnutzer verteilen. Ich sage nur: VIVA! Für alle beknackten Teenies die „cool sein” für einen erstrebenswerten Zustand halten und denen der Unterschied zwischen „Takt” und „Rhythmus” ewig ein Rätsel sein wird. Dann die „Künstler”. Da ist dieser weiße Neger, der sich ständig an die Klöten packt, unsäglich herum piepst und ab und an durch die Gasmaske flüstert, dass er alle lieb hat, aber wegen der Bakterien lieber nicht anfassen möchte und das er das Elend auf der Welt irgenwie nicht so Superklasse findet.
WOW!!
Technoclowns mit verödetem Gehirn, Hoden-, und Zungenpiercing, die zum Takt eines Presslufthammers eine handvoll englischer Wörter aus dem Langenscheid ins Mikro brüllen, wild mit den Armen herumfuchtelnd herumhüpfen und zum Dank dafür mit Teddybären (die Visitenkarte des Groupies unter 14) beworfen werden.
Boygroups, jeweils vier bis sechs geschulte Ärsche, die selbige immer gleichzeitig von links nach rechts bewegen. Einzige Qualifikation: Sie müssen zusammen auf ein Bravo-Poster passen und beim Hüpfen nicht so oft umfallen.
Brave new world!
Dann die privaten Resteverwerter die „innovativ” für irgend eine Sauerei halten und sich gegenseitig mit Wiederholungen überbieten , die sie aus der Grabbelkiste der Öffentlich rechtlichen geklaut haben. Gameshows bei denen man außer den Goldreserven der Bundesbank schon alle nur möglichen Geldpreise verballert hat und in denen sich die jeweiligen Kandidaten als absolute Idioten outen müssen. Gameshows moderiert von einem Diät Pulver verseuchten Holländer, in denen beknackte Kandidaten mit ihrem Wissen um die Preise aus dem letzten Aldi-Katalog protzen.
Sendungen in denen debile Dorftrottel, die ihre Hose nur mit Hilfe eines Zivildienstleistenden zukriegen, zu Helden erhoben werden. Sogenannte „Volksmusik-Sendungen” (WESSEN Volk?) mit der Hitparade des Völkischen Beobachters, das natürlich nichts mit Volk und schon gar nicht mit Musik zu tun hat. Wer schon einmal gesehen hat, wie beim Moikschen „Musikanten Stadl” die Zuschauer im Saal klatschend ein kafkaeskes Zombiebalett in die Sitze schunkeln , während sie vorne grinsende Homosapiens-Parodien mit fetten Ärschen in engen Lederhosen, neckischem Käppie und Wadenwärmern ihre Instrumente schänden, der versteht, warum sich viele wieder dem RADIO zuwenden, bei dem man noch die Fantasie spielen lassen kann, ohne von Bildern obszön herumvölkender Trachtenvereine belästigt zu werden.
Tjaaaa. Radio (auch Hörfunk) – das nimmt in der Medienlandschaft einen ganz besonderen Platz ein. Nehmen wir nur die Zeitkommentare oder die Staumeldungen – da gibt es schon einige schöne Sachen.
MEINE Nr. 1 sind die SUCHMELDUNGEN.
„Richard Bleifuß, unterwegs in einem zitronengelben Toyota mit dem Kennzeichen K.XY – 123 wird dringend gebeten, zuhause anzurufen.” Ein sachliches Expose, aus dem sich jeder phantasiebegabte Hörer ein spannendes Programm stricken kann. Richard – WER zur Hölle bist du?
Etwa einer von diesen Typen die ihrer Frau ( sie strickt gerade an einem modischen Pullover zu seinem 60en Geburtstag) zuletzt den legendären Satz hinwarfen „ Ich geh mal eben Zigaretten holen”? Vielleicht bist Du aber auch einer dieser schwer arbeitenden Vertreter , jede Nacht mit einem wundgesabbeltem Mund auf einem anderen Hotelbett und man will Dir bloß mitteilen, dass Du im Lotto gewonnen hast? Oder ist deine Schwiegermutter ( die deine Frau ja schon immer vor Dir gewarnt hat) verdientermaßen verblichen und im Hinblick aufs Testament wäre Deine Anwesenheit unbedingt notwendig?
An dieser Stele des Drehbuchs sollte man sich selbst zur Ordnung rufen: ZU SPIEßIG!!! Wieso wittert man ständig die bürgerliche Kleinfamilie?
Wahrscheinlich verhält es sich mit dem abgängigen Richard ganz anders:
- Zoff im Loft!
- Stunk bei Singles!
- Randale in der WG!
- Stress mit dem Lover?
- Kniest im Penthouse?
- Gail (vormals Gabriele) hat ihrem Richy die Sachen inklusive Zahnbürste durchs Fenster zugeworfen und jetzt will sie ihn doch wieder zurück.
Aber auch bei dieser Vorstellung will sich keine rechte Befriedigung einstellen. Also zurück zur Vorlage: „Richard, unterwegs in einem…..”! Halt – Da ist es. Statt Kennzeichen wird nur ein VERMUTLICHES Kennzeichen genannt! Wer die Vermißtenmeldung aufgab muss also dämlich oder kurzsichtig sein. Richard, Schätzchen, bist Du etwa der einzige Sohn einer armen Witwe und hast beim morgendlichen Müsli endlich einmal auf den Tisch gehauen , deinen Toyota geschnappt und höhnisch in den Rückspiegel gemurmelt : „Bad Wildungen, Mutter? DIESES Jahr OHNE MICH” !!!!!? Was erwartet man eigentlich vom Hörer, wenn ihm auf der Autobahn besagter Toyota begegnet? Soll er sich mit seinem klapprigen Opel querstellen und beschwichtigend sagen: „Richy, mach keinen Scheiß, Mann – stell dich den Realitäten!?
Bisweilen wird ja auch nur ein Zielfahndungsgebiet angegeben: „Richard , vermutlich unterwegs im Raum Hamburg… „! Da heißt es dann aber höllisch aufpassen! Augen auf bei abgelegenen Hotels und Campingplätzen! Und was machen, wenn Richy nach höflichem Kratzen am Vorzelt seinen Schlafsack öffnet und einem schlicht was in die Fresse haut? Was, wenn ein hübsches Girl ihm über die Schulter blinzelt und „ Verpiss Dich Du Spanner” kreischt?
Aber es kann ja auch alles gut werden:
„Richard, nach tollkühnem Fluchtversuch aus miefiger Enge, konnte durch das mutige Eingreifen eines Hörers dingfest gemacht und seinem Besitzer übergeben werden.
- Versöhnung?
- Scheidung?
- Selbstmord?
- Reue?
- Amoklauf?
Irgendwie haben die Hörer doch ein Recht darauf, zu erfahren, wie’s weiter geht? ODER?

