An sich begann alles noch im Rahmen des Üblichen. Damit ist gemeint, dass ich von den Ankündigungen im Fernsehen keineswegs alarmiert wurde, und das alles doch ziemlich ergeben hin nahm.
Unser Umweltminister, dieser Herr... äh, also jedenfalls der Typ der diesen kräftigen Händedruck bei Konzernspitzen hinterlässt, und dann und wann auch mal den Rhein durchschwimmt erzählte in einer dieser enervierend hektischen TV-Shows einen von eigenartig gefärbten Tonnen, sonderbar verklärten Trennungen, und diversen Fortschritten für die Menschheit.
Nun bin ich ja nicht gerade ein großer Fan von Trennungen aller Art, Casablanca liegt mir da noch sehr schwer im Magen. Aber da ich offensichtlich von dieser Aktion ähnlich stark betroffen sein würde wie von allen anderen in den letzten Jahren, zog mich der Gedanke etwas sauberes für die Menschheit zu tun gewissermaßen an.
Wir wollen doch mal ehrlich sein: was von den vielen Dingen die in diesen Jahren so passiert sind tangieren einen alten Kampftrinker schon wirklich? Die Alkoholpreise bleiben stabil, die Stütze wird noch immer kommentarlos über den Tresen geschoben, und in mein kleines Häuschen dass ich geerbt habe hat sich noch kein Ossi verlaufen. Gut ich hab jetzt 24 Kanäle in der Glotze, aber das ist ja nicht sonderlich negativ.
So war meine Ahnungslosigkeit riesengroß, als ich eines Nachmittags - kurz nach dem Aufstehen versteht sich - mit einem großen Karton leerer Bierdosen gegen eine gelbe Tonne stieß. Ich wollte gerade den ganzen Krempel reinpacken, da sehe ich da noch eine stehen und zwar eine Blaue. "Oh gut", denke ich und packe die Dosen da rein. Endlich hatte man sich in der Farbgebung mal was gedacht. Meine Neugierde war aber doch soweit geweckt, dass ich beim Frühstück (Ein Bier, ne Pommes und einen Negerkuss) mal in die Zeitung sah.
Dort standen wunderliche Dinge was alles an starken Sachen passieren sollte, wenn alle Welt sich an diese Unterteilung in "Metallabfälle", "Plastikabfälle" und "Organabfälle" hielt. Mir wurde leise dämmernd klar, dass ich noch am ehesten mit den ersten beiden Kategorien klar kommen würde. Aber die dritte?
In einem Haushalt wie meinem gibt es manchen Müll, den andere eher als Sondermüll deklarieren würden. Aber Organe hatte ich noch nicht darunter bemerkt. Vermutlich war dieser neue Service eine Hilfe für all die netten Menschen die still in ihrem Kammerlein irgendwelche armen Mitbürger umbrachten, zersägten und dann in Säurefaesser bzw. den Kühlschrank steckten. Man hat ja schließlich die Nachrichten gesehen, und natürlich auch Schweigen der Lämmer! Und Hobbybastler wie dieser Frankenheimer würden nun auch nicht mehr auf Friedhöfe gehen müssen, sondern würden von dieser klaren Unterteilung stark profitieren.
Derweil ich meine sechste Bierdose aufmachte, malte ich mir schon weitere Tonnen und deren Farben aus. Da wäre eventuell die Rote Tonne für die wirklich blutigen Sachen fällig, so Kettensägenmassakermaessig. Vielleicht würde diese Farbe aber eher für lang strahlenden Atommüll zu verwenden. Sieht ja auch besser aus, wenn man sich mal vorstellt wie Hanau mit diesen Dingern voll gestellt wird. Nicht zu vergessen die grüne Tonne, ein ganz raffiniertes Kombinationsprodukt. Während jeder Depp dabei natürlich an Grasabfälle, Farbreste und abgehalfterte Alternativpolitiker denkt, wäre es in Wirklichkeit eine einfache Methode für Hoechst wieder aus den Schlagzeilen zu kommen. Also ich würde so eine Tonne niemals öffnen wollen, wenn sie von Hoechst kommt.
Logische Konsequenz - ich war schon wieder beim 18 Bier angekommen - wäre dann noch die Lila Tonne für Damenbinden, kaputte Dildos, Frauenzeitschriften und all so'n Zeugs. Und letztendlich natürlich die Braune Tonne, und wofür die ist dürfte allen klar sein *boerps*




















