Liebe Mama
Du erinnerst Dich an mich? Du hast mich an Deiner Brust getragen, mir das Laufen beigebracht und später die Kaution bezahlt! Ich, der Quell Deiner Freude und Herztropfen. Du hast mich noch mit sechzehn auf Deinen Armen in den Schlaf geschaukelt, als ich nicht einschlafen konnte. Wie oft bist Du für mich in die Apotheke gegangen, als ich mir diese schlimme Sache von meiner Schwester eingefangen hatte. Du hast diesen Mann ausbezahlt, der mich erledigen wollte, nachdem ich das Geld für die Drogen nicht aufbringen konnte. Ach, Mama, schweißt das nicht zusammen?
Doch als Du mir mit 28 nahelegtest, endlich auszuziehen, hast Du gleich meinen Alice-Cooper-Starschnitt von der Wand gerissen, diese Hefte und die ganzen Taschentücher unter meinem Bett entsorgt und meine Haustiere an den Kammerjäger verschenkt. Heute habe ich es Dir verziehen!
Als Du im Schwarzwald warst, habe ich eine Woche lang Deine Katze gepflegt. OK, eben “gesundgepflegt”! Ich konnte ja nicht ahnen, das sie nicht gerne mit meinem Pitbull spielt. Ich werde sie nie vergessen, die Tränen in Deinen Augen! Und doch kam kein Wort des Dankes über Deine Lippen, als ich Dir für “Mauzel” ein Holzbein gedrechselt hatte! Und das Geld für den Tierarzt hätte ich Dir schon noch irgendwann zurück gezahlt, wenn da eben nicht diese Abtreibungen gewesen wären!
Erinnerst Du Dich auch noch den Muttertag 1996? Dieser wunderschöne Blumenstrauss, den ich selber gebunden hatte, weil Fleurop Deine Kreditkarte nicht wollte, die ich mir erst zwei Stunden vorher ausgeliehen hatte? Auch das hast Du mir nicht gedankt. Dabei hatte es mich einen Vormittag gekostet, die Petersilie und den Schnittlauch mit Tesafilm zu bändigen!
Und weißt du noch, 1998? Du und ich unter dem Tannenbaum, bei Kerzenlicht und ich hatte Dir diese “Iron-Maiden”-CD geschenkt? Vielleicht war die Musik der Grund, das Du nicht in Stimmung warst, als ich aufdringlich wurde! Verdammt, ich hatte einen Ödipus-Komplex! Und? Ich habe Dich trotzdem lieb gehabt! Du bist dann jedenfalls umgefallen und hast Dich nicht mehr gerührt. Du hast mit einmal so fremd ausgesehen, und ich sollte mich ja nicht mit Fremden abgeben, hast Du immer gesagt! Aber sofort, nachdem der Spielfilm dann zu ende war, habe ich dann die Ambulanz gerufen, weil der Fleck unter Dir anfing zu stinken. Die Schäden, meinte der Arzt später, würden sich trotz meiner “Ersten Hilfe” in Grenzen halten.
Und jetzt? Jetzt gehst Du für 6 Monate zur Kur, obwohl meine Wäsche noch nicht fertig ist? Na macht nichts, Deine Sachen passen mir zwar nicht ganz, aber als Trendsetter ist man ja auch immer Märtyrer. Meine alten Schlüssel haben seltsamerweise nicht mehr gepasst, aber deine Wohnungstür habe ich aus einem Stück Bauzaun nachgebildet.
Ich habe gerade da diesen kleinen Engpass und habe in Deiner Post gelesen, dass Dir ja jetzt endlich das Geld von der Krankenkasse bewilligt wurde. Ich habe ihnen meine Kontonummer gegeben, damit Du weniger Arbeit hast. Mauzel geht es auch schon wieder besser, in dem Farbeimer war nur Acrylfarbe, das habe ich fast alles mit Pinselreiniger rausbekommen und “hellblau” passt zu Deiner Tapete im Wohnzimmer. Ich habe ihr für drei Monate im Voraus Fressen hingestellt und jetzt habe ich vom Dosen öffnen eine Sehnenscheidenentzündung. Ich fahre jetzt mit ein paar Kumpels in den Süden. Ein bisschen Erholung tut mir bestimmt auch mal ganz gut.
Bevor ich es vergesse: Am Sonntag ist ja Muttertag und ich wünsche Dir vorab schon mal alles Gute! Ich hatte in einem Geschäft für Dich ein paar schöne Handschuhe entdeckt, habe aber gesehen, das es die Gleichen sind, die Du schon über Deinem Herd hängen hast!
Dein Dich liebender Sohn
P.S.: Das mit Papa tut mir heute noch leid, wirklich! Ich hatte damals Deinen Zyklus falsch berechnet und ich konnte doch nicht zulassen, das er Sex mit Dir macht, wenn Du Deine Tage hast!
Also Jungs! Immer schön an Mama denken!




















