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Wer nichts weiß, muss alles glauben

Die Öko Schlampe in der Bar

Posted by admin On September - 11 - 2007

Ich hatte ein paar schwere Tage hinter mir. Magendurchbruch. Die üblichen kleinen Problemchen eines Alkoholikers. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch an schlechte Zeiten. Ein paar Tage Urlaub auf der Intensivstation können nicht schaden, dachte ich mir. Außerdem wurde wieder mal alles gründlich von den Ärzten durchgecheckt. Bei der Entlassung gab mir noch der Oberarzt kopfschüttelnd einen Zettel. Darauf standen meine Leberwerte. So hoch waren sie noch nie, lachte ich in mich hinein.

Man muß schon sehr zielstrebig und diszipliniert Saufen, um seine Leber so in die Enge zu treiben. Triumphierend verließ ich das Krankenhaus und wollte mal eben in meine Stammkneipe gehen, um den Kumpels Bescheid sagen, daß alles in bester Ordnung ist. “Na was war denn mit dir los?”, fragte mich Kalle bestürzt. “Ich hatte Urlaub, war auf Kur, hab mal wieder alles grade biegen lassen”, lachte ich ihm entgegen.

Er freute sich mit mir, daß alles so reibungslos über die Bühne ging. Ich erzählte noch ein paar Erlebnisse und bei der Sache mit dem Leberwerten hörten mir alle ehrfürchtig zu. Das waren halt meine Kumpels. Zuhören konnten sie. Und das ist ja wohl das wichtigste. Meine Kumpels und ich halten immer zusammen. Mußten wir auch. Keiner von uns hat eine Frau. Ich weiß auch nicht, an was das liegt. Bis jetzt haben wir es immer geschafft, den Frauen aus dem Weg zu gehen. Und das zurecht, man hört ja allerhand von den Problemen mit Frauen. Sie laufen einem immer weg, sie sind zu korrekt, zu sauber. Das würde nicht zu mir passen. Ich will mich nicht vorher waschen bevor ich besoffen ins Bett falle. Und hin und wieder, wenn man mal einen mehr über den Durst getrunken hat, kann es schon vorkommen, daß man sich ankotzt.

Bis jetzt haben die meisten Frauen irgendwie abstoßend darauf reagiert. Ich weiß auch nicht warum. Das ist doch eine ganz normale Körperreaktion. Besonders Sissi aus meiner Stammkneipe bin ich ein Dorn im Auge. Als Stammgast erwarte ich von meiner Bedienung, daß sie mich fair behandelt. Und nicht immer diese kleinen nachtragend Mauscheleien. Jedesmal, wenn sie mich sieht, stellt sie mir demonstrativ einen Kübel unter den Tisch. Sie wissen schon. Wegen dem Kotzen. Nur weil ich ihr einmal in den Ausschnitt gekotzt habe. Ich glaube, deshalb ekelt sie sich auch ein bißchen vor mir. Aber das ist doch Schnee von gestern. Und dann wirft sie mir vor, daß ich immer in die Hosen pinkle und sie die ganze Sauerei immer wegwischen muß. Ich sage mal, daß kann man als zahlender Gast auch erwarten. Aber inzwischen habe ich mich an die Spinnereien von Sissi gewöhnt. Ich glaube, sie steht auf mich. Sie ist ein bildhübsches Mädchen von zwanzig Jahren. Vielleicht werde ich sie mal heiraten.

Der Altersunterschied von 38 Jahren würde mich nicht stören. Vielleicht sollte ich sie mal fragen, was sie davon hält. Vielleicht in ein paar Jahren. Aber zuerst muß ich mich noch ein bißchen ausleben. Und so saßen wir im Pub, als sich plötzlich die Türe öffnete und eine Frau mit langem Rock und Birkenstocklatschen, die Treppe herunterkam. Sie roch nach Baumwolle und Jute. Sie ging an uns vorbei und setzte sich neben unseren Stammtisch. Sie bestellte ein Wasser. Wir lachten höhnisch. Sie vertrug anscheinend kein Bier oder Schnaps. So eine Öko-Tussi. Sie sah uns an und meinte, daß wir still sein sollten.

“Ihr versoffenen Typen solltet lieber was arbeiten”, beleidigte sie uns. Das hatte Kalles wunden Punkt getroffen. Er drehte sich um und rülpste ihr mitten ins Gesicht. Die Öko-Schlampe stand auf knallte Kalle mitten eine ins Gesicht.

Irgendwie kamen sich die beiden in die Haare. Sie stritten bis aufs Messer. Ich war noch etwas von dem Krankenhausaufenthalt geschwächt, ich vertrug den Schnaps und das Bier nicht so gut wie sonst. Ich hätte nicht so lange mit dem Alkohol aussetzten dürfen. Und der Streit der Alten mit Kalle machte mich nervös. Und so wurde es mir übel. Ich holte den Kübel unter dem Tisch hervor und mußte mich übergeben. Es war also doch gar keine so schlechte Idee von Sissi. Schwarze Brocken kamen hervor. Schwarz und rötliche Kotze. “So ein Scheiße, es ist wieder mein Magen”, schrie ich verärgert die Öko-Tussi an.

“Halten sie doch ihr blödes Maul, sehen sie nicht, daß ich krank bin. Lassen sie doch Kalle in Ruhe, er hat ihnen doch nichts getan.”, fuhr ich fort. Sie wurde irgendwie blaß. Erst jetzt merkte ich, daß ein paar Bröckel noch an meinem Kinn waren. Ich wusch mir das Kinn mit meinem Taschentuch ab. Die Öko-Tussi sah mich entsetzt an. Und dann mußte sie sich auch übergeben. Aber sie kotzte mitten auf den Tisch. So eine Schweinerei. So unzivilisiert habe ich mich noch nie in meinem Leben verhalten. Was soll’s. Sissi kam und fragte entsetzt was los ist.

“Da siehst du es, Sissi. Die Frau ist ja Stock betrunken. Sie hat den ganzen Tisch vollgekotzt”, meinte ich.

Die Frau schüttelte den Kopf und lief nach draußen ohne zu bezahlen. Es ist nicht mehr wie früher, dachte ich bei mir. Früher hat es noch anständige Leute gegeben. Die haben auch bezahlt, was sie bestellt haben. Und Sissi hat jetzt wieder die ganze Arbeit. Vielleicht sollte sie in Zukunft unter jeden Tisch einen Kübel stellen. Man kann ja nie wissen. Wo sich schon die Öko-Tussis vollaufen lassen, bis ihnen schlecht wird. Mir ging es danach wieder besser. Mein Magen beruhigte sich wieder. Ich versicherte meinen Kumpels, daß alles in Ordnung war und dann tranken wir noch ein paar Bier. Später dann noch ein paar Schnaps, vom Bier wurden wir ja gar nicht mehr richtig besoffen.

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